Warum arbeiten Menschen in der #Altenpflege?

Gedankensalat...

Das Figürchen “Anne Nühm” hat mal wieder recht interessante Einblicke in ihr Menschenbild gewährt und einen Artikel geschrieben, in dem sie fragte, was Menschen dazu veranlasst, einen Pflegeberuf zu ergreifen. Das heißt, sie fragte weniger, sondern stellte einige Mutmaßungen an und brillierte in diesem Elaborat mit einer bemerkenswerten Unkenntnis und Menschenverachtung.

Ich konnte meine angewiderte Reaktion nicht zurückhalten und twitterte spontan

Sie fragt, was Menschen dazu treibt, in der Altenpflege zu arbeiten und vermutet “eine Kombination aus Torheit, Masochismus und Helfersyndrom”, bzw “die perverse Lust, Menschen, die ihre Würde verloren haben, in ihrem Leid zu sehen, und ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen” und “Altenpflege machen wohl wirklich nur Leute, die aufgrund mangelnder anderer Fähigkeiten keine anderen Berufsoptionen haben.” (sic)

Ich hingegen frage, was Menschen dazu treibt, sich derart menschenverachtend zu…

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Pflegende vs. Pflegebedürftige. Rly?

Heute wurde eine neue Bertelsmann Studie veröffentlicht zu den Kosten der Pflege für Pflegebedürftige und Kommunen.

Über diese Studie hat unter anderem die Welt einen Artikel veröffentlicht. https://www.welt.de/regionales/nrw/article158705156/Heimpflege-zu-teuer-fuer-durchschnittliche-Senioren.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter

Nun, bei diesem Artikel weiß ich vor lauter Kopf schütteln gar nicht wo ich anfangen soll….

Zunächst einmal, ja, ein Heimplatz ist teuer. Und die Übernahme der Kosten ist eine hohe Belastung für die Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen. Und ja, viele können sich diese Kosten nicht leisten. Hier müssen die Kommunen unterstützen. Und ja, auch das verursacht enorme Kosten.

Aber sollte man tatsächlich als Grund dafür das Gehalt der Pflegekräfte anführen? Und zwar, wie in diesem Artikel geschehen als alleiniger Grund? Das ist der Teil der Artikels der meinen Halsumfang spontan massiv vergrößert hat. 3175€? Liebe Bertelsmann Stiftung, wen habt ihr denn gefragt? Nur die Pflege oder auch die Verwaltung? Ich komme aus NRW und da sogar aus diesem ominösen Borken, wo Pflegekräfte in Pflegeheimen anscheinend dieses Gehalt bekommen. Tja, dann sollte ich wohl meinen Job wechseln, denn als langjährig erfahrene „Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivmedizin und Anästhesie“ bekomme ich nicht dieses Gehalt.

Aber gut, lassen wir diese Zahl einmal so stehen. Worauf es mir in diesem Blog ankommt, ist die fahrlässige Vermischung von Ungerechtigkeit und als Ursache dafür die in NRW zweifelsohne bessere Bezahlung anzuführen, im Vergleich zu den ostdeutschen Bundesländern. Der Artikel suggeriert, dass es Pflegekräften in NRW ja anscheinend gut geht und sie damit daran schuld sind, dass Pflegebedürftige höhere Kosten bei der Heimunterbringung haben. Na also, liebe Pflegekräfte in NRW, wir sollten wohl aufhören zu jammern. Schließlich geht es uns doch super gut, oder?

Naja, der ein oder andere von Euch wird jetzt hysterisch anfangen zu kichern. Denn wir wissen, dass es auch der Pflege in NRW nicht gut geht.

Warum werden die Verwaltungskosten in dem Artikel nicht angeführt?

Nun gut, gehen wir einmal davon aus, dass diese Zahlen stimmen. Warum zu Hölle bekommt eine Pflegekraft in Leipzig nur die Hälfte des Gehalts einer Pflegekraft in Borken? Aber halt, laut Welt ist das ja gut, weil dadurch die Kosten für die Pflegebedürftigen nicht so hoch sind.

Warum finden wir es so schlimm wenn der Staat unterstützend eingreifen muss, um einen Heimplatz zu finanzieren? Diese Menschen haben dem Land viele Jahre ihre Arbeitskraft geschenkt, für Nachwuchs gesorgt, viele haben geholfen das Land wieder aufzubauen oder einen anderen Dienst für die Allgemeinheit geleistet. Sollte uns das nicht wert sein, diese Menschen angemessen unter zu bringen? Mit einer ausreichenden Anzahl qualifizierter Pflegekräfte?

Und ist die eigentliche Ungerechtigkeit nicht, dass Menschen die ihre Angehörigen zuhause pflegen von der Politik derart alleine gelassen werden, dass diesen gar keine andere Möglichkeit bleibt, als ihre Lieben in einem Pflegeheim unterzubringen? Oder das die Rente der Pflegebedürftigen nicht ausreicht um die Kosten, die nicht von der Pflegeversicherung übernommen werden, zu decken?

In diesem einen Artikel schafft es die Welt unzählige Ungerechtigkeiten in ein paar Zeilen zusammen zu fassen und als Schuldige die Pflegenden hinzustellen. Großes Kino.

Unter welchen Bedingungen Pflegekräfte arbeiten müssen wird gar nicht erwähnt. Und das mit der Wertschätzung für Pflegekräfte….nun, da fange ich nach diesem Artikel dann mal hysterisch an zu kichern.

#Pflegestreik und dann?

Man könnte denken ich hätte Langeweile. Oder wäre einfach ein Troll. Ok, letzteres kommt manchmal hin, aber ich schreibe heute hier nicht um zu trollen, oder weil ich Langeweile habe, sondern weil ich mir Sorgen mache um eine Bewegung.

Als die Charité in Berlin in den #Pflegestreik getreten ist, haben sich einige Menschen auf Twitter solidarisch erklärt und unter #Pflegestreik Tweets verfasst, wie es um die Pflege in Deutschland bestellt ist.
Die fleißigen Leser dieses Blogs wissen, dass die Lage in der Pflege sehr sehr angespannt ist.

Aber was will die Pflegestreik Bewegung denn eigentlich?

Und hier wirds jetzt etwas kniffelig. Wie so oft, ist man sich darin einig, dass sich was ändern muss. Die Pflegenden wissen wo die praktischen Probleme sind. Gewünscht wird sich mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Anerkennung. Ebenfalls etwas worin sich der Großteil wohl einig ist.
Schwierig wirds bei der Frage nach dem “Wie?”

Seien wir doch mal ehrlich. Wir können nicht wirklich erwarten, dass alles so bleibt wie es ist, außer dass jemand kommt und uns ein paar zusätzliche Pflegekräfte und eine saftige Gehaltserhöhung finanziert. Wäre natürlich ne feine Sache, wird aber nicht passieren.

Müssen wir uns also überlegen womit wir uns anfreunden können. Diese Frage hatte ich letzte Woche schon mal auf Twitter gestellt und da von mehreren Seiten ordentlich was zu hören bekommen. Ich stelle diese Frage (wider besserem Wissen) trotzdem nochmal, weil ich möchte, dass die Pflege sich neuen Ideen öffnet.

Da gibt es die geplante Generalistik. Das heißt, eine gemeinsame Pflegeausbildung für Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Ich sehe das als Chance. Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Ob damit am Ende tatsächlich Dinge (mehr Anerkennung für den Beruf) besser werden? Ja mei, ich bin kein Hellseher und die Studien und Erfahrungen im Ausland sehen doch ganz gut aus. Die größte Sorge der Kritiker, dass besonders die speziellen Anforderungen der Kinderkrankenpflege zu kurz kommen, sehe ich nicht ganz so besorgt, wenn im letzten Ausbildungsjahr Schwerpunkte vor allem in der praktischen Ausbildung gesetzt werden können.

Dann gibt es da das Pflegestudium. Wird sicherlich in der Zukunft eine größere Rolle spielen (womit wir auch wieder bei der Anerkennung und Wertschätzung wären), zur Zeit gibt es für diesen Studiengang aber kaum Stellen in der Praxis. Finde ich nicht besonders motivationsfördernd. Da wird hoffentlich noch weiter dran gearbeitet. Man muss allerdings sagen, dass die Arbeitgeber ja jetzt schon die Möglichkeit haben, solche Stellen zu schaffen. Sie müssen es “nur” hinbekommen, dass die ärztliche Fraktion im Haus ein paar ihrer Aufgabenbereiche (wie zum Beispiel Blutzuckereinstellungen) an die Pflege übergibt.
Bisher scheint das nur sehr wenigen Häusern zu gelingen. Aber das ist immerhin schon mal ein Prozess der in Gang gebracht wurde.

Kommen wir zu den Pflegekammern. Bekannt ist, dass Pflege in Deutschland keine Lobby hat. Das Ziel ist, dass die Pflege mit den Kammern genau diese Lobby bekommt. Aber auch da gibt es massive Kritik. Zum einen von Seite der Gewerkschaften (was die Intention für diese Kritik ist, darüber spekuliere ich an dieser Stelle mal nicht), zum anderen aber auch von den Pflegenden selbst. Denn in Kammern muss man Beiträge bezahlen. Das geht freiwillig. Wenn man aber sieht wie wenig Pflegende in einem Pflege-Berufsverband o.ä. organisiert sind, bekommt man Zweifel, dass das bei einer Kammer tatsächlich mehr wären. Und eine Kammer ohne Mitglieder wäre in zahnloser Tiger. Ich persönlich bin also durchaus für Zwangsmitgliedschaften in Pflegekammern.

Das sind schon mal drei Aspekte, die sich in der Pflege ändern bzw noch ändern werden. Damit sind wir natürlich noch nicht da, wo die Pflege in Deutschland hin muss, aber es sind erste Schritte.

Und jetzt komme ich nochmal zurück zur #Pflegestreik Bewegung auf Twitter. Leute, ich finde euch toll. Ich finde super, dass ihr auf die Probleme in unserem Job aufmerksam macht, Öffentlichkeit schafft. Was mir inzwischen ein bisschen Bauchschmerzen macht, ist dass ich den Eindruck habe, es wird versucht die Tweets immer drastischer zu formulieren. Es wird über die Medien geschimpft, die zu wenig über die Probleme der Pflege berichten, über die Twitterer die keinen Anteil nehmen an den Pflegestreik Tweets. Tatsächliche Argumente lese ich kaum noch. Das alles ist der Grund, warum ich mich da weitestgehend zurück gezogen habe.

Die Pflege möchte doch ernst genommen werden. Da reicht es nicht zu twittern, dass gefälligst alle froh sein sollen, dass wir unseren Job noch machen. Dann kommen Vorwürfe wie letzte Woche geschehen, dass die Pflege lieber jammert statt Argumente zu bringen. Die ganzen pauschalen “wir habens schlimm, huldigt uns gefälligst” (ja, ist überzogen, aber so kommt es manchmal rüber) Tweets empfinde ich als kontraproduktiv. Erzählt von konkreten Situationen auf den Stationen, den Wohnbereichen und überall wo ihr arbeitet. Erzählt es so wie es ist. Nicht geschönt, nicht dramatisiert. Die Situation in der Pflege ist ernst genug. Bitte beschimpft nicht andere Twitterer, nur weil sie sich nicht für das Thema interessieren. Wir haben große Sympathien in der Gesellschaft, die sollten wir uns nicht verspielen.
Seid bitte offener und glaubt nicht, dass jeder der ein Gegenargument bringt euch was möchte.
Das sind meine Wünsche an die #Pflegestreik Bewegung. Ich hoffe, ihr reißt mir jetzt nicht den Kopf dafür ab 😀

Auf Wiedersehen, tschüss, bis bald

Ziemlich genau sechs Jahre Parteimitgliedschaft bei den Piraten habe ich am vergangenen Donnerstag beendet. Über die Gründe werde ich hier nichts schreiben. Die meisten werden es sich denken können und wer es genau wissen möchte, kann mich fragen. Jetzt ist es ja so, dass man dazu neigt über eine verflossene Liebe enttäuscht zu sein und im Nachhinein zu schimpfen.

Ich möchte gern einfach ‘danke’ sagen.
Danke an die vielen wundervollen Menschen, die ich kennen lernen durfte in diesen 6 Jahren. Manch einer hat mir beinahe den letzten Nerv geraubt, über andere könnte ich nur den Kopf schütteln und meine Tischkante zuhause hat definitiv einige neue Macken abbekommen. Aber dann waren da auch all die großartigen Menschen, die mich verändert haben. Sie haben mich offener und toleranter gemacht für Neues und unbekanntes, kritischer was politische oder mediale Statements angeht, selbstbewusster…..hätte man mir vor 5 Jahren gesagt, dass ich mir zutrauen würde auf einer Bühne einen Programmantrag zu stellen oder Podcasts fürs Krähennest zu sprechen, Kandidateninterviews zu führen, ich hätte es vermutlich nicht geglaubt.

Ich habe viel gelernt, viele Bereiche in dieser Partei kennen lernen dürfen. Die wundervollen Gesundheitspiraten, die so herrlich evidenzbasiert sind 😉

Die Öffentlichkeitsarbeit, verdammt kann man da leicht auf die Schnauze fliegen und nicht zuletzt die Verwaltung, bei der ich unglaublich froh bin, dass Ralf dort so einen großartigen Job macht.

Deshalb kann ich nicht wirklich böse sein auf meine große politische Liebe. Nicht verbittert. Eher ein bisschen traurig, aber eben auch dankbar.

Ich hoffe den einen oder anderen von euch noch mal wieder zu treffen, zu lesen, zu sprechen….

Pflegestreik

Die Pflege in Deutschland ist krank. Erkrankt an Arbeitsüberlastung, geringer Wertschätzung, Unterbesetzung und zu geringem Gehalt. Das haben sicher die meisten Menschen bereits mitbekommen. Wer Pflegende in der Familie oder im Freundeskreis hat kennt ihre Geschichten aus dem Alltag in deutschen Krankenhäusern, den Pflegeeinrichtungen und den ambulanten Diensten. Überall ähneln sie sich.

Vor ein paar Wochen gab es nun aber einen Streik an der Berliner Charité. Die Pflegenden haben ihre Arbeit niedergelegt. “Großartig” und “das wurde auch Zeit” haben sicher einige gedacht. Und das wurde es auch. Ich persönlich habe gehofft, dass in den Medien endlich über die Zustände in der Pflege berichtet wird. Dass Pflegende wach gerüttelt werden, sich für ihren Beruf und damit auch für die Menschen die sie versorgen einzusetzen.

Medial berichtet wurde aber kaum. Hier und da mal ein kurzer Bericht, der aber in den meisten Fällen nicht die tatsächliche Problematik in der Pflege angesprochen hat.
Auf Twitter tauchte der Hashtag #Pflegestreik auf. Pflegende aus allen Bereichen erzählen von ihren Problemen, von erlebtem. Viele reden davon unter diesen Umständen nicht mehr lange in diesem Beruf bleiben zu können, den sie eigentlich lieben. Jeden Mittwoch ab 13:45 wird eine sogenannte Mittwochsdemonstration gestartet, mit dem Ziel in den Twittertrends zu erscheinen und so die Menschen und die Medien auf das Thema aufmerksam zu machen. Politiker werden angeschrieben, sich doch bitte des Themas anzunehmen. Die Resonanz ist in den meisten Fällen, dass wir gar nicht erst eine Antwort bekommen.
Die Solidarität in den sozialen Medien ist relativ hoch. Viele sind erschrocken über die Zustände. “Ich wusste das es schlimm aussieht. Aber so schlimm hatte ich nicht erwartet” war zum Beispiel einer davon.

Die große Hoffnung, die ich zu Beginn des #Pflegestreiks hatte, weicht allerdings so allmählich einer gewissen Nachdenklichkeit. Ich denke darüber nach, wie es jetzt weiter geht. Twittern ist die eine Sache, aber das allein ändert nichts. “Streikt doch endlich mal im großen Stil” sagen viele. “Ja, geht bald los” würde ich gerne antworten. Kann ich aber nicht.
Auf meiner Station haben viele nichts davon mitbekommen, dass die Pflege der Charité streikt. Als ich davon erzählte wurde es mit einem “ändert ja eh nix” abgetan. Ich war ernüchtert. Und zwar so richtig. Diesen Satz habe ich schon so oft von Pflegenden gehört. Er wird als Ausrede benutzt um nichts tun zu müssen. Man könnte meinen, dass der Leidensdruck dann halt noch nicht groß genug ist. Aber das verrückte ist ja, dass er das ist. Er ist so hoch, dass viele ihre Stelle kürzen, weil es Vollzeit nicht mehr geht, werden krank oder verlassen gleich ganz die Pflege.

Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren und die Gründe werden vermutlich vielschichtig sein. Pflege hat es nie gelernt für sich selbst zu kämpfen. Wir haben keine Lobby wie zum Beispiel die Ärzte, man sieht sich selbst als schwächstes Glied der Kette und man weiß nicht, was man denn überhaupt tun könnte. Er herrscht Uneinigkeit, über welchen Weg denn am besten die Ziele erreicht werden können. Streik, Pflegekammer, Politik, Berufsverbände? Wo soll man sich engagieren? Welcher Weg führt uns zum Ziel?
Über all das kann man hervorragend streiten.

Die Frage, die mich aber am meisten beschäftigt, ist wie wir es endlich schaffen können, die Pflege dazu zu bewegen nicht mehr länger alles über sich ergehen zu lassen. Sich endlich zu wehren. Und ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie das gelingen soll.

Deshalb wünsche ich mir eine Gewerkschaft, die sich für Pflegende einsetzt. Aktiver um Pflegende Mitglieder wirbt. Ihnen zeigt, welche Möglichkeiten sich durch eine Mitgliedschaft bieten.

Ich wünsche mir eine Pflegekammer um der Pflege eine Lobby zu geben. Die die Interessen der Pflege vor Politik und anderen Kammern wie zum Beispiel der Bundesärztekammer vertritt.

Ich wünsche mir, dass die Politik endlich begreift, dass wir eine Reform benötigen, die ihren Namen verdient. Es geht hier immerhin darum, wie unser Land mit pflegebedürftigen Menschen umgehen will.

Und ich wünsche mir Berufsverbände die lauter sind als jetzt. Mit gezielten Aktionen medienwirksam auf die Probleme in der Pflege aufmerksam machen.

Und von euch liebe Pflegende wünsche ich mir, dass ihr euch endlich für euren Beruf engagiert, den ihr so liebt. Euch informiert über die Möglichkeiten die ihr habt und über eure Rechte als Arbeitnehmer. Lernt endlich Nein zu sagen.

deutsche Krankenhäuser sind doch sicher oder?

Wir hören in den letzten Wochen immer wieder mal was über den Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern. Die Ebola Epidemie hat die Menschen aufmerksam gemacht. Man macht sich plötzlich Sorgen darum, wie gut Infizierte isoliert werden. Wie überhaupt erstmal festgestellt wird, ob sie infiziert sind.
Und immer wieder hört man von offizieller Seite “alles prima. Wie haben hervorragend ausgebildetes Personal und entsprechende räumliche und medizinische Voraussetzungen um eine Ansteckung zu verhindern.”
Tja, das sagt die offizielle Seite. Aber jetzt fragt doch mal in Eurem Bekanntenkreis bei den Pflegenden. Sehen die das auch so? Ist der Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern tatsächlich so toll?
Ich erzähle Euch mal wie ich das sehe aus meinen beruflichen Erfahrungen und vielen Gesprächen mit Kollegen auch aus anderen Häusern. Wenn bei einem Patienten tatsächlich einmal ein Virus festgestellt ist, klappt das für gewöhnlich, naja sagen wie einigermaßen mit dem Infektionsschutz. Je nach Virus werden Kittel getragen, Handschuhe, Mundschutz, Haube. Und zwar von allen die das Zimmer betreten. So sollte es zumindest sein und meistens ist es auch so. Leider gibt es immer wieder Uneinsichtige (sorry liebe Ärzte) vor allem Ärzte in gehobenen Positionen, die wohl denken sie seien eh immun und solange sie dem Patienten nicht die Hand schütteln passiert ja nix. Das die Keime damit ins nächste Zimmer getragen werden muss ich Euch sicher nicht erklären. Das ist logisch.
Aber was ist mit den Menschen, bei denen noch nicht bekannt ist, woran sie erkrankt sind wenn sie in ein Krankenhaus kommen? Immer wieder passiert es, dass wir Patienten aufnehmen mit unklarem Fieber, Husten unklarer Ursache, einer infizierten Wunde. Und diese Patienten werden für gewöhnlich nicht isoliert. Es ist ein ziemlich beschissenes Gefühl, wenn sich nach 2-3 Tagen heraus stellt, dass der Patient den man aufgenommen hat eine TBC (Tuberkulose) hat oder eine Meningitis und man darf erst mal eine Prophylaxe schlucken. Gut, das kommt tatsächlich nicht so oft vor. Was aber häufiger passiert, ist das bei Patienten nach 2-3 Tagen festgestellt wird, dass sie einen MRSA Keim haben. MRSA werden die meisten von Euch schon mal irgendwo gehört haben. Das ist ein relativ weit verbreiteter Keim, der gegen die meisten Antibiotika resistent ist. Bei einem gesunden Menschen macht der auch erstmal nix, bei einem geschwächten, vorerkrankten Menschen führt dieser Keim zu massiven Problemen, zum Beispiel wenn der sich in die OP Wunde setzt. Ja, das ist ein riesiges Problem. Ein Problem, dass wir bislang noch nicht in den Griff bekommen. Wir schleppen die Keime von einem Zimmer ins andere. Von Patient zu Patient. Weil wir nicht wissen, dass die Leute diesen Keim haben. Händedesinfektionen werden natürlich durchgeführt, reichen aber eben oftmals allein nicht aus.
Wie kann man jetzt damit umgehen? Die Niederländer machen es uns vor. Jede Neuaufnahme gilt zunächst als infektiös, bis die Tests vorliegen. Es werden Schnelltests zum Beispiel auf MRSA durchgeführt. Das heißt, dass auf diese Gefahr das Risiko einer Weiterverbreitung wesentlich geringer ist. Die Zahlen in den Niederlanden sprechen für sich. Warum das in Deutschland noch nicht angewendet wird? Tjoa, ich schätze mal, dass es finanzielle Gründe sind.
Um jetzt den Kreis zu Ebola wieder zu schliessen: Nein, ich sehe das nicht so, dass die Krankenhäuser in Deutschland gut auf eine solche Infektionskrankheit vorbereitet sind. Die Infektionszentren vielleicht. Aber die vielen kleinen Wald- und Wiesenhäuser? Und dann höre ich heute morgen im Radio noch eine Aussage von Ban-ki-Moon, dass es eine Stigmatisierung der Helfer sei, diese für die Dauer der Inkubationszeit zu isolieren. Aha…na klar. Lassen wir sie lieber mit der U-Bahn fahren, im Flieger sitzen, in den Supermarkt. Ich denke, dass die Helfer die dort runter fliegen um zu helfen sich der Gefahr bewusst sind und auch Verständnis für eine Isolierung nach ihrer Rückkehr haben bis die Inkubationszeit vorbei ist.
Mehr Konsequenz im Umgang mit Infektionskrankheiten würde schon so sehr dabei helfen eine Ausbreitung zu verhindern.

Scheuklappen

Die meisten von Euch werden sich an die Rede von Anke Domscheidt Berg auf dem aBPT in Halle erinnern. Anke sagte, dass Sie Angst hatte auf die Bühne zu gehen und zu sagen was Sie sagen möchte. Ihr war sicher bewusst, dass das was sie zu sagen hat, bei einigen auf dem Parteitag nicht gut ankommen wird. Und wisst ihr was? Ich kann Anke verstehen. Ich hoffe und gehe mal davon aus, dass Anke keine Sorge davor hatte, dass ihr jemand körperlich Schaden zufügen möchte. Sondern vor dem, wie die Menschen auf dem aBPT reagieren. Werden Sie buhen, was schreiben die via Twitter, wie wird das alles aufgenommen?

So wie es Anke auf dem Parteitag ging (soweit ich das einschätzen kann zumindest) ging es mir in den letzten Wochen und Monaten sehr häufig. Schreibe ich was zu den Piraten? Egal ob via Twitter oder in meinen Blog. In meinem Blog wird das hier der erste Beitrag zu Piraten, abgesehen von dem Rücktritt als Pressesprecherin in NRW. Warum das so ist? Es ist nicht so, dass ich nicht öfter mal darüber nachgedacht habe oder dass ich nicht vielleicht auch Ideen hatte. Es war vielmehr so, dass ich Angst hatte vor den Reaktionen. Vor tagelangen Twitterdiskussionen, vor dem angeprangert werden weil irgendein Wort in dem Text unwissentlich falsch gewählt wurde oder weil meine Meinung den Lauten in der Partei nicht passt. Wie ich darauf komme? Genau sowas habe ich zig mal mitbekommen. Ich erinnere nur an den Blogbeitrag von pirat_mel in dem sie über die Bananenrepublik schreibt. Ja, das Wort mag unglücklich gewählt worden sein, aber jedem der den Text gelesen hat war klar, warum Mel das so geschrieben hat. Aber was passiert dann? Sie muss sich in endlosen Diskussionen erklären und man hat nie das Gefühl, dass es irgendwann auch einfach mal gut ist. Nur waren das nicht dieselben Leute, vor deren Reaktion Anke sich auf dem aBPT gefürchtet hat, sondern eben genau die, die jetzt das ausbuhen anprangern. (Man möge mir bitte verzeihen, wenn das etwas pauschal gewählt ist, aber ich kann und mag nicht einzelne Leute benennen).

Das was Mel passiert ist, ist etlichen anderen Piraten auch passiert. Sie machen sich Gedanken zu einem Thema, schreiben was auf und wenn irgendein Wort in dem Text nicht passt, wird ewig darauf herum geritten. Der eigentliche Inhalt geht verloren. Das frustriert. Das sorgt dafür, dass Leute sich zurückziehen. Ihre Meinung nicht mehr sagen. Sich unwohl fühlen in der eigenen Partei.

Der Frust, den viele empfunden haben, hat sich aufgestaut. Bei jeder Diskussion die man mitbekommen hat, bei jedem angeprangert werden etwas mehr. Viele haben nichts mehr gesagt. Zu lange. Denn dadurch war das Bombergate nur noch der letzte Tropfen. Die Reaktionen darauf waren heftig. Meiner Meinung nach lag das daran, dass viele jetzt einfach nicht mehr schweigen wollten und nach meiner Wahrnehmung auch an einer sehr schlechten Aufbereitung. Ja, Anne, Du hast eine ganze Menge einstecken müssen und wurdest sogar bedroht und das geht gar nicht und das tut mir leid. Ich hätte mir gewünscht, dass hier mehr Erklärung stattgefunden hätte. Nicht nur durch Anne selbst, sondern vor allem auch vom BuVo und den Menschen, die Anne zur Seite gestanden haben. Ja, natürlich habt ihr Sie verteidigt, aber das kann man eben auch machen indem man erklärt. Was folgte waren gegenseitige Vorwürfe. Pauschalangriffe als gewaltbereite Antifas oder Nazis. Je nachdem wen man da fragte. Ich persönlich halte die Aktion immer noch für einen Fehlgriff, aber mit der richtigen Aufbereitung und ohne den aufgestauten Frust, hätte das nicht so eskalieren müssen.

Was dann noch folgt wissen wir ja alle. Den Rücktritt einiger BuVo Mitglieder und den Orgastreik habe ich als Notbremse wahrgenommen und nicht als Erpressung. Aber das ist eben immer so eine Sache mit der Wahrnehmung. Man ist wohl immer mehr darauf fokussiert, was in der eigenen Blase passiert und da nehme ich mich natürlich auch nicht auch nicht aus.

Was den aBPT angeht…ich war nicht da. Ich habe also nur das mitbekommen, was über den Stream lief und was ich via Twitter mitbekommen habe. Da gab es wohl Fehlgriffe auf beiden Seiten. Ich fand die „kBuVo“ Rufe genauso unangemessen wie die Buh-Rufe während einer Rede. Nach dem aBPT hatte ich die Hoffnung, dass sich die Wogen glätten und wir einen Weg finden vernünftig miteinander umzugehen. Das sah auch 1-2 Tage danach aus. Jetzt nehme ich viele Menschen wahr, die versuchen konstruktiv zusammen zu arbeiten und einige wenige, die munter weiter eskalieren wollen. Und zwar auf beiden Seiten. Schade.

Ich möchte euch noch kurz beschreiben, was ich glaube warum wir in einigen Dingen eine unterschiedliche Wahrnehmung haben. Ich denke, dass unsere Sozialisation dabei eine große Rolle spielt. Es ist ein Unterschied, ob man im Alltag immer wieder mit Nazis konfrontiert wird und in einer Stadt lebt, in der man sich erstmal Gehör verschaffen muss oder ob man, so wie ich ländlich aufwächst. Ja natürlich erlebe ich hier immer wieder diesen scheußlichen Alltagsrassismus (das Wort finde ich im übrigen ätzend). Das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Menschen hier auf dem Land in einer eigenen Blase leben. Wann immer ich diesen Alltagsrassismus begegne, rede ich mit den Leuten und erkläre Ihnen warum ich den ach so lustig gemeinten Spruch gar nicht witzig finde. Hier haben die Menschen null Verständnis für solche Aktionen wie das „Bombergate“. Für diese Menschen sind wir so nicht mehr ernst zu nehmen. In einer Stadt wie Berlin, wird man möglicherweise aber durch solche Aktionen überhaupt erst wahrgenommen.

 

Mein Vorsatz ist also: ich werde versuchen meine Scheuklappen abzunehmen. Zu verstehen, warum Menschen handeln wie sie handeln. (was trotzdem nicht heißt, dass ich dann alles toll finde, aber ich verstehe es immerhin besser) Das funktioniert aber nur, wenn es Menschen gibt, die bereit sind es mir zu erklären ohne mich wie einen Menschen zu behandeln, der keine politische Bildung hat. Dass sowas geht zeigt zum Beispiel @kpeterlBW. Dem ich an dieser Stelle auch nochmal gern herzlich danke sagen möchte. Ich wünsche mir Menschen wie ihn, die versuchen ihren Gegenüber zu verstehen, nicht als dumm abtun und auf Augenhöhe reden. Es geht also, auch wenn es schwierig ist.

P.S.: mir ist bewusst, dass mit der Sozialisation nicht alles erklärbar ist, ich halte es aber für einen Teil davon.

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Todesursache Pflegenotstand: Mehr Giraffen für deutsche Pflegeheime!

momentnotaufnahme

Wie viel Pflegenotstand ist notwendig, damit Menschen zu Tode kommen? Und ist diese Frage jetzt in erster Linie plakativ oder zynisch? In Berlin wird einem ungelernten Pflegehelfer der Prozess gemacht, weil er eine Bewohnerin mit dementieller Erkrankung beim Duschen so schwer verbrüht hat, dass sie an den Folgen starb. In sechs Wochen soll das Urteil gefällt werden. Klar ist jetzt schon: Diese kurze Zeitspanne wird zentralen Fragen nicht gerecht.

Nun könnte man fragen, wie blöd ein Mensch eigentlich sein kann, dass er heiß und kalt verwechselt – aber nach der Darstellung des rbb war dem 33jährigen die Temperaturkontrolle mit der Hand nicht möglich, und die Armatur verkehrt herum eingebaut. Und damit ist natürlich auch die Frage verbunden, ob die Einrichtung sicher gestellt hat, dass der Pflegehelfer darauf hingewiesen ist. Aber wo das Credo vorherrscht, dass Dokumentationsqualität gleich Ergebnisqualität ist, ist mit einem Haken im Einarbeitungsbogen der Pflicht genüge getan.

Aber…

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Wie möchtest Du leben?

Immer wieder mal kommt die Diskussion zum Thema Sterbehilfe auf. In der Politik, in den Medien, manchmal, aber eher selten auch in der Gesellschaft. Das ist ein recht schwieriges Thema bei dem es sehr viel zu bedenken gibt, deshalb möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht großartig näher darauf eingehen.
Ich möchte einfach mal ein bißchen darüber erzählen, wie ich den Umgang mit Patientenverfügungen erlebt habe und immer noch erlebe. Ich arbeite seit ein paar Jahren auf einer Intensivstation. Da ist das Thema beinahe täglich auf der Tagesordnung. Was will der Mensch, der sich uns anvertraut hat, oder uns anvertraut wurde, in seinem Leben.
Man hört immer wieder mal die Aussagen “das ist doch so kein Leben”. Aber wer entscheidet das? Was für den einen lebenswert ist, wäre für den Anderen eine Katastrophe. Es gibt also keine allgemein gültige Aussage dazu. Dadurch ist es sehr schwierig zu einer Entscheidung zu kommen, ob ein Mensch reanimiert werden soll oder nicht, ob ein Beatmungsschlauch gelegt werden soll oder nicht oder ob eine Therapie beendet werden soll oder nicht. Diese Liste kann noch sehr viel weiter geführt werden.
Eine Hilfestellung für diese Entscheidung können und sollen Patientenverfügungen sein. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Arten. Von handschriftlich, über vorgefertigte Formulare. Ich habe aber in all den Jahren noch keine gesehen, die alle denkbaren Möglichkeiten abdeckt. Was auch kaum möglich ist. Denn wer weiß schon was in der Zukunft auf einen zu kommt. Eine Patientenverfügung hat also immer auch einen Ermessensspielraum.
Ein Beispiel:
Ein Patient hat eine Patientenverfügung erstellt, in der festgelegt wird, dass dieser Mensch nicht reanimiert werden möchte. Er hat eine chronische Lungenerkrankung, wegen der er auf der Intensivstation liegt. Es geht ihm aber verhältnismäßig gut, eine Verlegung auf die normale Station ist geplant. In der Nacht trinkt dieser Patient einen Schluck Wasser und verschluckt sich. Das leider so heftig, das seine Atmung aussetzt. In sehr kurzer Zeit fällt der Sauerstoffgehalt im Blut, die Herzfrequenz wird langsamer, setzt dann ganz aus. Innerhalb von Sekunden muss eine Entscheidung getroffen werden. Reanimation ja oder nein? Das Pflegepersonal beginnt mit der Reanimation, ruft den Diensthabenden Arzt dazu. Dieser hält Rücksprache mit dem Oberarzt. Die Entscheidung ist gefallen, die Reanimation soll fortgesetzt, der Patient an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. In diesem Fall ging es recht glimpflich aus, der Patient wurde zügig wieder wach, der Beatmungsschlauch konnte entfernt werden. Aber was, wenn er nicht wach geworden wäre? Wenn er durch den Sauerstoffmangel eine Schädigung am Gehirn erlitten hätte und wie wird es ihm mit seiner Lungenerkrankung wohl in Zukunft ergehen?
Wie hättet ihr entschieden? Den Menschen an einem Schluck Wasser ersticken lassen oder doch reanimieren mit all den möglichen Folgen? Das ist nicht immer leicht und eindeutig zu beantworten.
Wie mit einer Patientenverfügung im Krankenhaus umgegangen wird, hängt wohl immer davon ab, welcher Arzt die Entscheidungen fällen muss. Bei langwierigen Erkrankungen kommt es auch immer wieder mal vor, das ein sogenanntes Ethikkomitee eingeschaltet wird. Dieses setzt sich zusammen aus Ärzten, Pflegepersonal und meist auch Vertretern der Krankenhausleitung. Hier prallen schon mal die Meinungen der verschiedenen Abteilungen aufeinander. Die Pflegepersonen sind diejenigen die am engsten mit Patienten und Angehörigen in Kontakt stehen und daher oft auch am ehesten nachvollziehen können, was gewünscht wird. Die Entscheidungen treffen aber die Ärzte. Natürlich sprechen auch diese mit den Angehörigen, wenn möglich auch mit den Patienten. Aber außerhalb dieser Gespräche bekommen sie halt eben doch weniger mit als das Pflegepersonal. Ich gebe zu, ich bin immer wieder mal anderer Meinung als die Ärzte was diese Entscheidungen angeht. Aber ich muss sie nicht treffen. Und wenn ich ehrlich bin, beneide ich die Ärzte auch nicht darum.
Was ich einfach nur jedem Menschen empfehlen kann, egal wie alt: Schreibt eine Patientenverfügung, so detailliert wie möglich, aktualisiert diese regelmäßg und ganz wichtig: redet mit euren nächsten Angehörigen darüber welches Leben für Euch lesenswert wäre. Nur so besteht die Chance darauf, dass im Krankenhaus eine Entscheidung getroffen wird, die in Eurem Sinne ist.

Pflegen kann jeder. Oder nicht?

Pflegen kann jeder, hört man immer wieder auch als examinierte Pflegekraft. Sei es von (ehem) Ministern wie Kurt Beck, der die sogenannten “Schlecker-Frauen” (ja auch ich finde diesen Begriff furchtbar) umschulen wollte, in den Medien oder immer wieder in der täglichen Praxis.

Der Beruf der Pflege hat ein sehr schlechtes Image. Die Arbeitszeiten und die verhältnismäßig schlechte Bezahlung sind dabei nur zwei Faktoren. Ein weiterer ist sicherlich, dass die Menschen für gewöhnlich nicht sehen können, was hinter diesem Pflegeberuf eigentlich steckt. Ich möchte mal versuchen, das etwas aufzuklären.

Wenn wir einen Patienten zum ersten mal sehen, ihm die Hand schütteln und uns vorstellen, tun wir das nicht nur um guten Tag zu sagen. Wir sehen im selben Moment in welchem Zustand sich der Patient befindet. Wie ist die Atmung? Wie sieht die Haut aus? In welchem Wachheitszustand ist dieser Mensch? Ist irgendetwas ungewöhnlich oder auffällig?
Das sind wertvolle Informationen, denn wir sind diejenigen, die in diesem Moment entscheiden ob es ausreicht, den Patienten inhalieren zu lassen um ihm die Atmung zu erleichtern, oder ob wir unverzüglich den Arzt informieren müssen, da sofort eingegriffen werden muss, oder ob schlicht alles in Ordnung ist.

Wenn wir einem Patienten eine Flasche Wasser bringen, bringen wir nicht nur einfach eine Flasche Wasser. Wir wissen, ob dieser Patient (noch mehr) trinken darf, ob er ausreichend trinkt, ob er sich das Wasser selbst einschütten und zum Mund führen kann oder ob er dabei Unterstützung braucht. Gleichzeitig haben wir im Blick, ob das was dieser Patient trinkt auch genügend ausscheidet, oder ob er Ödeme entwickelt oder schlimmeres.

Wenn wir einen Patienten lagern, drehen wir ihn nicht einfach nur auf die Seite. Wir überprüfen die Haut auf Druckstellen, achten auf den Zustand der Haut, lagern die gefährdeten Stellen frei und achten gleichzeitig darauf, dass der Mensch der vor uns liegt es möglichst bequem hat.

Wenn wir bei der Visite dabei sind, hören wir nicht einfach nur zu. Wir geben dem Arzt die Informationen die er braucht um seine Anordnungen treffen zu können. Wir sind diejenigen, die den Patienten nach der Visite erklären, was das eigentlich bedeutet, was der Arzt da grade gesagt hat. Denn viele Menschen trauen sich nicht den Arzt danach zu fragen.

Das ist ein winzig kleiner Einblick in die Arbeit eines Pflegenden, ich könnte das noch seitenlang weiter führen. Ich zweifle gar nicht daran, dass all das auch von Angehörigen für ihre Liebsten zuhause getan werden kann. Für einen Menschen den sie schon jahrelang kennen.
Wir tun all dies aber für 20 oder mehr Menschen, die uns während einer Schicht anvertraut wurden. Und dafür brauchen wir Zeit. Zeit, die uns immer mehr genommen wird, weil wir immer mehr Patienten zu betreuen haben, immer mehr Aufgaben übernehmen müssen, immer weniger Menschen bereit sind, diesen Beruf hier in Deutschland auszuüben.

Wir müssen lernen stolz zu sein auf das was wir tun. Wir müssen es den Menschen erklären. Und wir müssen den Entscheidungsträgern in diesem Land klar machen, dass es ohne uns nicht funktioniert. Wir werden es sehr laut und immer wieder sagen müssen. Irgendwann werden sie endlich zuhören. Hoffentlich noch rechtzeitig.